Blastozystenkultur

Vielleicht haben Sie in einer Werbeveranstaltung ausländischer IVF-Zentren oder aus anderen Quellen gehört, Paare hätten in Deutschland schlechtere Chancen, schwanger zu werden, als im Ausland. Den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung können Sie leicht selbst prüfen, wenn sie das österreichische und das deutsche IVF-Register vergleichen.

Als Grund für unsere „schlechtere Qualität“ wird angeführt, dass die Blastozystenkultur in Deutschland verboten sei. Dies ist nicht richtig. Wir führen die Blastozystenkultur durch und empfehlen sie in ausgewählten Fällen sogar.

Worum geht es dabei? Wir alle haben lange Erfahrung mit einem Embryotransfer am zweiten oder dritten Tag. Am Tag 2 sollten die Embryonen aus 2 – 4 Zellen bestehen, am Tag 3 aus 4 – 8 Zellen. Auch diese „jungen“ Embryonen sind nicht gleich. Embryologen können, wenn sie die Schnelligkeit und die Gleichmäßigkeit der Entwicklung der Embryonen beurteilen, auch in diesem Stadium etwas über die Entwicklungsfähigkeit der Embryonen aussagen.

Durch verbesserte Kulturbedingungen ist es jetzt ohne allzu großen Stress für die Embryonen möglich, sie 5 Tage in Kultur zu halten. In dieser Zeit teilen sie sich weiter und erreichen ein Stadium, in dem sie wie eine kleine Beere aussehen und innen schon einen Hohlraum gebildet haben. Man kann auch bereits unterscheiden, aus welchem Teil der eigentliche Embryo und aus welchem Teil die Fruchthöhle wird. Sie sind jetzt kurz vor dem Stadium, in dem sie sich in die Gebärmutter einnisten können. So weit schaffen es aber nicht alle Embryonen, abhängig von Alter und hormonellen Bedingungen gelingt das höchstens 40 % der Embryonen. Die anderen verharren in einem früheren Stadium und haben keine Chancen, sich einzunisten.

Die Blastozystenkultur ist in Deutschland erlaubt. Was wir allerdings nach dem Embryonenschutzgesetz vermeiden sollen, ist eine geplante „Vorratshaltung von Embryonen“, d. h. Embryonen sollen nur im Notfall kryokonserviert werden. Wir benötigen also unsere ganze Erfahrung, um zu entscheiden, wie viele Vorkerneizellen bei einem Paar individuell weiter kultiviert werden sollen, um möglichst die vom Paar gewünschten ein oder zwei entwicklungsfähigen Embryonen übertragen zu können. Diese Entscheidung müssen wir in jedem Einzelfall begründen.